Wieder An bord

Freitag

Es ist wieder soweit. Die Taschen sind gepackt, ein Taxi ist gerufen und der Flieger wartet auf uns.

Der Flughafen ist ziemlich leer. Draußen fisselt es leicht uns alles wirkt grau und gedämpft. Vor unserem Schalter stehen vielleicht 30 Personen, alle mit Masken, alle mit Abstand. Auf dem Bildschirm kann man deutlich eine strahlende Sonne neben „LANZAROTE“ erkennen. Die Vorfreude auf das Schiff, auf die Sonne und auf das Meer steigt.

Der Flug ist unaufällig. Es ist erstaunlicherweise kein Problem die Maske für die paar Stunden zu tragen – nur Bordservice gibt es diesmal nicht. Platz gibt es auch genug, alle haben den Mittelplatz frei.

„Herzlich willkommen auf Lanzarote. Aktuell scheint die Sonne und die Temperatur liegt über 30°“

Die Ankuft ist mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir sind seit sechs Monaten weg und alles ist wie immer und gleichzeitig so anders. Der Bus fährt nicht mehr Richtung Playa Blanca, also fahren wir mit dem Taxi. Endlich in der Marina angekommen erwartet uns ein Schock.

Wo ist die Deja Vu?

Ich laufe am Steg entlang, die Yacht ist nirgendwo in Sicht. Aber ja, da war ja was… Hat die Marina vor Monaten nicht angerufen und gesagt, dass wir wegen Unterhalt am Steg woanders sind? Nach einem etwas verwirrten Telefonat finden wir unser Boot wieder. Sie steht nun seit sechs Monaten da und hat vom Gefühl die Hälfte von Sahara angesammelt. Unsere weiße Lady ist jetzt braun.

Nach einigen Runden mit dem Wasserschlauch glänzt sie wieder und wir gehen mal durch die Marina. Die meisten Läden haben noch zu, nur ein paar Restaurants haben auch. Die Stimmung ist gedrückt, sogar verzweifelt. Die Pandemie hat die Kanaren extrem hart getroffen – zwar nicht von der Krankheit selber, aber durch die fehlenden Touristen. „Wir werden hier verhungern bevor uns Corona erwischt“ meinte ein Restaurantinhaber.

Nicht destotrotz ist es schön wieder in der Sonne zu sein, es ist schön wieder an Bord und zuhause zu sein.

Montag:

Gestern kam die Crew für die Überführung und heute wird proviantiert. Die Fallzahlen auf den Kanaren steigen und wir können leider nicht 100% sicher sein, dass die Grenzen offen sind wenn wir ankommen – also kaufen wir großzügig ein. Es ist eine spannende Zeit unterwegs zu sein.

Morgen werden wir ein paar Stunden rausgehen damit sich die Crew mit dem Schiff bekannt machen kann. Wenden, halsen, den Wind und das Meer genießen.

Mittwoch

12:00 – Das Schiff ist klar, vollgebunkert und bereit zum Ablegen. Na also – Leinen los!
Das Wetter sieht ganz gut aus, wir müssen zwar hoch am Wind segeln, aber die Windstärken sind angenehm angesagt.

Wir kommen aus dem Windschatten der Insel raus und setzen Segel. 18 Knoten Wind, 60° am Wind, direkter Kurs auf Madeira. Es läuft gut, wir machen gut Geschwindigkeit, im Durchschnitt um die 6,5 Knoten! Wir wechseln uns ab am Steuer und genießen in vollen Zügen den Wind in den Haaren und die Zusammenarbeit mit der Natur. Ach, wie wir das Segeln vermisst haben!

Die erste Nacht auf See kommt – leider leicht bewölkt, so dass die Sterne nicht ganz so deutlich so sehen sind. Der Wind nimmt etwas zu und hält uns auf Trapp.

Donnerstag

Der Wind bleibt nun im Bereich von den höheren zwanziger. Wir kommen zügig voran, wenn wir weiterhin so schnell sind, sollten wir die Strecke in insgesamt 48h schaffen. Der Ehrgeiz ist auf jeden Fall geweckt. Die Welle nimmt auch etwas zu und wir leider auch ein bisschen kabbeliger. Immer wieder mal bekommen wir im Cockpit eine schöne Salzwasserdusche. Das Meer ist erstaunlich warm. Im Rhythmus mit dem wechselnden Wind drehen wir manchmal leicht ab auf halben Wind, wenn der Wind und vor allem die Welle es erlaubt gehen wir wieder höher. Die Logge misst regelmäßig über 7 Knoten fahrt und die zweite, deutlich ruppigere Nacht liegt an.

Freitag

Bereits in der Nacht hat man am Horizont die Lichter der Insel erkennen können. Als die Sonne aufgeht, erlöschen die Lichter und alles was übrig bleibt ist eine Wolke. Naja. Wir wissen ja, was da drunter liegt. Als wir näher kommen, steigt die Insel Stück für Stück aus dem Meer. Der Wind nimmt zu, und wir freuen uns gleich im Windschatten von den Ilas Desertas zu sein.

Aah. Endlich etwas ruhiger. Wir reffen aus und glauben für ein Moment, dass es von nun aus ruhiger wird. Die Düse zwischen den Ilas Desertas und Madeira nimmt kurz darauf die Illusion und verstärkt den Wind auf über 40 Knoten. Als ich endlich, nach einer langen Nacht im Cockpit, eingeschlafen bin, klopft es an meiner Luke. „Komm bitte nochmal kurz hoch, wir reffen wieder ein“.

Pünktlich um 12:00, genau 48 Stunden nach dem Ablegen ist der Anker fest. Wir sind angekommen. Funchal liegt im Windschatten und das Wasser ist wieder glatt, die Sonne scheint und das Wasser hat ein schönes, tiefes Blau. Aufgrund der Pandemie dürfen wir nicht sofort in den Hafen rein, wir müssen erstmal einen Covid-Test machen. Die Zeit bis zum Test nutzen wir schön aus – wir springen in das warme Wasser, wir sonnen uns auf Deck und wir essen wieder was Warmes.

18:00 als wir uns damit abfinden heute keinen Test mehr machen zu können, klingelt das Handy. „Könnt ihr in 10min an der Tanke sein?“ Dort werden wir von eine Truppe begrüßt, komplett in Schutzkleidung und einer nach dem anderen wird getestet. Danach – zurück vor Anker. Sie melden sich wenn die Ergebnisse vorliegen.

Es wird zu einem schönen Abend mit einer tollen Ambiente. Die Lichter der Stadt, die am Hang verteilt sind errinnert sehr an einem Märchenstadt.

Samstag:

7:30: „Good morning sir, this is the Madeira Police. You are all negative, you may enter the marina. Welcome to Madeira.“

Ein Kommentar

  1. Ich kann dies supergut mitfühlen.
    Sehr toll dargestellt.
    Ich drücke Euch die Daumen, dass alles gut läuft und wünsche von von Herzen eine schöne und erfolgreiche Saison.
    Viele Grüße
    Volker

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